Strudelka: Ein Schmähbericht über den Besuch im „original Wiener Strudelcafé“ im Wedding.

erstellt am: 17.02.2017 | von: Vera Block | Kategorie(n): DER REIHE NACH: Meine Arbeit, Essen & Trinken

Wenn ein Café sich Strudelka in Anlehnung an das legendäre Hawelka in Wien nennt, könnte man vermuten, die Café-Betreiber würden zumindest einen Versuch unternehmen, dem Original in irgendeiner Weise Tribut zu zollen. Zumal Strudelka sich auf der Internetseite als das „original Wiener Strudelcafé“ vorstellt.

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Nun, ist das Hawelka im 1. Wiener Bezirk ein schummriges Lokal, mit dunklem Holz und runden Bistro-Tischen mit weißen Marmorplatten, an den Wänden hängen dort Plakate alter Filmklassiker und die Besucher stecken ihre Nasen in Tageszeitungen. Strudelka befindet sich in Berlin-Wedding in der Sparrstraße. Aber das ist nicht das Problem.

Schwierig wird es drinnen, wo Sperrmüll- äh, Tschuldigung, Vintage-Möbeln zwischen pipigelben Wänden bemüht sind, sowas wie Ambiente zu schaffen, mithilfe von ein paar runden Lampions, die von der freigelegten, aber lässig nicht restaurierten Stuckdecke herunterbaumeln. Aber selbst das ist kein Problem. Das ist heutzutage Berliner Schick. Wie auch grelle abstrakte Gemälde, wirklich sehr grell… Und russische Reggae-Musik aus den Lautsprechern – Berlin ist eben multikulti.

Was das eigentliche Problem ist, ist der Strudel.

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So oft so himmelhoch in diversen Berliner Medien gelobt, dass es inzwischen fast schon einem Faupax gleicht, nicht längst bei Strudelka gewesen zu sein – auf einen Verlängerten und dazu natürlich Strudel. Und dieser hat bitter enttäuscht.

Strudel goes multikulti

Zur Auswahl bot das Café an einem Donnerstagnachmittag einen klassischen Apfelstrudel mit Schlagobers oder Vanilleeis und Walnussstrudel. Auch herzhafte Variationen werden angeboten, ein Markenzeichen Strudelkas, etwa mit Couscous (man is(s)t ja in Wedding)… Der in der Karte aufgeführte Pralinenstrudel war nicht an dem angekündigten Ort, in der Vitrine, auszumachen. Sei´s drum. Beim ersten Mal bei Strudelka sollte es der echte Strudel werden, mit Äpfeln.

Die Erwartungen waren groß – denn es ist recht schwer, einen guten Strudel in Berlin zu bekommen. Das Café Einstein, das Stammhaus, fällt einem dabei ein, vielleicht noch die eine oder andere Konditorei. Das war´s dann auch. Und weil sich Strudelka auch einen Namen als Backwerkstatt mit gut besuchten Strudel-Workshops gemacht hat, machte man die Bestellung sorgenfrei und voller Vorfreude.

Zucker en masse

Als Erstes, zum Kaffee, kam Zucker auf den Tisch – ein Dutzend Minischälchen mit allerlei Süßem – weiß, als Puder, klassisch granuliert, braun, kandiert usw. usf. Sah nach was aus. In erster Linie nach Verschwendung, denn was passiert mit den unbenutzten vollen Schälchen? Wird ihr Inhalt unberührt entsorgt oder unhygienisch wieder zurück in den Behälter gekippt? Fragen, über die man nachdenken kann, während man auf den Strudel wartet. Und das dauert eine ganze geschlagene Weile und man fragte sich, ob die da drüben, in der großen Küche, den Strudel gerade erst einschlagen würden und es deswegen so ellenlang dauert. Zwischenzeitig sah man die Bedingung mit einer Siphonflasche herumhantieren und ahnte nichts Gutes… Denn guten Schlagobers jagt man nicht mit Hochdruck auf den Teller. Und das auch in kleinen Kringelchen, den Regeln der 70-er Jahre Ästhetik folgend…

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Über den Strudel selbst gibt es nicht viel zu sagen. Er war schlecht. Der Teig im Inneren und an der Unterseite war nicht durchgebacken und erinnerte eher an einen halbrohen Pfannkuchen. Die Oberseite war verbrannt, sodass verkohlte Stückchen sich wie Eierschale abziehen ließen. Darüber wurde so viel Puderzucker gestreut, dass das Schwarze erst beim genauen Hinsehen entdeckt wurde.

Das, was am Zucker oben drüber zu viel gestreut wurde, fehlte der Füllung entschieden. Saure Äpfel, noch fast knusprig und offensichtlich kaum bis gar nicht mit Semmelbröseln abgebunden. Rosinen? Mandeln? Nichts davon wurde nennenswert entdeckt. Selbst der Zimtduft stieg nicht auf. Eine bittere Enttäuschung statt einer klassischen Süßspeise.

Und auch der zweite bestellt Strudel, mit Walnussfüllung (ein Endstück zum vollen Preis – ein No-Go!) verbarg unter der schwarzen Kruste eine fast genauso schwarze, nein, pappbraune Pampe aus zerhackten Nüssen, zerkocht, bis der letzte Aromahauch aus ihr entwichen war. Und nicht mal gesüßt zum Ausgleich.

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Strudelka: Ein Name, der so viel verspricht und eine Küche, die so wenig hält. Keine Empfehlung. Ach ja, Vanillesauce wird bei Strudelka zum Strudel überhaupt nicht angeboten. Was für ein Schmäh!

http://strudelka.de/

http://www.hawelka.at