State of Design Berlin 2017: Gestaltung zwischen Theorie, Praxis und Nachhaltigkeit.

erstellt am: 02.06.2017 | von: Vera Block | Kategorie(n): Design & Fashion

So wie Februar in Berlin die Berlinale-Zeit ist, ist Ende Mai – Anfang Juni die Zeit für Design. DMY – das Design-Event zieht zu dieser Jahreszeit kreative Gestalter aus der ganzen Welt an. Nur nicht dieses Jahr. Das DMY genehmigt sich eine Kreativpause. In die Bresche ist aber ein anderes Event gesprungen, das bereits letztes Jahr stattfand und nun konkurrenzlos die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. State of Design Berlin lädt zu einer Ausstellung, Diskussionen und spannenden Begegnungen.

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"Wir wollen aufzeigen, dass Design ist ein Prozess, betrifft uns alle,“

sagt Alexandra Klatt, die Mitorganisatorin des Festivals. Sie überblickt die weißgeflieste Halle des Vollgutlagers der ehemaligen Kindl Brauerei in Neukölln. Eine der IN Locations in Berlin und der Austragungsort von State of Design Berlin. Letztes Jahr war das noch eine Konferenz mit kleineren Veranstaltungen an diversen Orten der Stadt. Nun sollen vier Tage lang auf zwei Ebenen aktuelle Trends und richtungsweisende Erkenntnisse in Sachen Design präsentiert werden:

Da man sieht, das es gibt Leute die sich sehr wohl Gedanken über die relevanten Fragen machen, die die ganze Gesellschaft betreffen. Die sich die Fragen stellen, werden wir mit Krisen weltweit umzugehen, was hat es für einen Einfluss. Was bringt die neue Technologie für Veränderung. Alles, was wir uns zuhause auch fragen, oder wofür wir vielleicht Angst haben, oder was uns Sorgen macht – da muss man zusammen im Dialog weiterdenken.“

 

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State of Design Berlin will internationales Design zeigen und parallel dazu in der Rubrik German Gestaltung Kreative präsentieren, die sich in irgendeiner Weise mit Deutschland in Verbindung sehen – sei es durch Geburt oder Ausbildung oder Wohnort:

Es geht nicht um den Fokus „made in“, sondern es geht darum – hast du hier Wurzeln, was prägt dich, und wie verändert das die Gestaltung und den Dialog?“

Ein etwas schwammiges Auswahlkriterium. Viel konkreter ist man da bei derAusstellung Global Gestaltung. In einer Sonderausstellung greift der Mitorganisator des Festivals, Max Borka, sein fünf Jahre altes Projekt auf. Damals hat der Designjournalist und Art Direktor von DesignBrussel 100 Projekte weltweit zusammengetragen, die in den Bereichen Soziales Design und Nachhaltigkeit etwas spannendes zustande gebracht haben. Alexandra Klatt nennt als Beispiel „Ein Liter Licht“:

Das war ein Projekt, da gab es das Erdbeben in Haiti, die Leute hatten provisorisch Blechhütten extra gebaut, die hatten aber keine Fenster, es war dunkel. Und dann kam Liter of Light mit der Idee, dass man eine Plastikflasche mit Wasser und Backpulver füllt und in so ein Wellblech reinzementiert und dann hatte man tagsüber zumindest Licht in der Hütte. Mit diesem einfachen Produkt, was ein Designer konzipiert hat.“

Fünf Jahre später will Max Borka nun wissen, was aus den Projekten, die so vielversprechend waren, tatsächlich wurde.

Alle wurden angeschrieben, mehrfach. Es hat sich ein Viertel ungefähr zurückgemeldet. Und wir wollten sehen, was ist von diesen nachhaltigen und gut durchdachten Projekten übrig? Und wenn sie nicht mehr existieren – warum? War es nicht gut genug durchdacht? Fehlte das Geld? Fehlte Personal? Woran liegt es? Einfach um aufzuzeigen, woran Dinge scheitern können, damit man in Zukunft im Fokus hat – diese Dinge muss ich beachten, wenn ich wirklich nachhaltig arbeiten will.“

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Auf diese Fragen will State of Design Berlin Antworten suchen. Und nebenbei vielleicht grundsätzlich über die Rolle des Designs in und für Berlin nachdenken. Denn 2005 wurde die Stadt von der UNESCO zur City of Design ernannt. Ein Titel, den nur eine Handvoll Städte weltweit trägt. Aber das nützt nicht viel, meint Alexandra Klatt. Berlin habe zwar einen Namen und ein Standing als Design- Standort, aber:

Dieses Standing wird, so finden wir, nicht genug transportiert und vermittelt und erzählt nach außen hin. Wenn man auf die internationalen Messen geht, zum Beispiel Mailand ist ein Hot Spot. Dann ist Berlin nicht so im Fokus. Dann stellen vielleicht einzelne Schulen oder Designer aus. Aber es gibt keine Plattform die zeigt – das ist Berlin. „

Das Festival State of Design Berlin ist nun angetreten, dies zu ändern.

Radiobeitrag im Kulturradio, rbb

State of DESIGN Festival
Täglich vom 1.-4. Juni 2017
Wo: Vollgutlager der alten Kindl-Brauerei, Rollbergstraße 26, 12053 Berlin