Krieg und Mode. Zaza Burchuladzes Roman „Adibas“ ist auf Deutsch erschienen.

erstellt am: 29.09.2015 | von: Vera Block | Kategorie(n): DER REIHE NACH: Meine Arbeit, Menschen & Ereignisse

Adibas – das klingt wie Adidas, neben Nike, Puma und anderen eines der bekanntesten Sportlabels der Welt. Doch Adibas ist keine echte Marke, sondern ein Fake. Und darum geht es in dem Roman von Zaza Burchuladze – um gefakte Mode, die wie echt aussieht und um einen echten Krieg, der sich nicht echt anfühlt.


adibas cover

Es geht um Krieg.

Der Untertitel des Buches lautet „Stell dir vor, es ist Krieg und du bist falsch angezogen“.

In seinem Roman beschreibt Zaza Burchuladze einen Tag im Leben der Yuppies in Tiflis, der georgischen Hauptstadt. 
Reiche gelangweilte Menschen, die sich bestens mit den angesagten Marken auskennen und ihre Zeit in den schicken Restaurants verbringen, oder sie koksen, oder sie haben Sex, oder alles gleichzeitig. 
Der Held des Buches ist ein junger Mann, ein Journalist, der sich durch den Tag treiben lässt. Er trifft Freunde, fährt durch die Stadt, geht ins Schwimmbad. Und durch den Tag begleiten ihn Nachrichten, die mal aus dem Fernseher oder aus einem Radio oder von Bekannten kommen. Es sind Nachrichten vom Krieg. Denn der Tag, den Zaza Burchuladze in seinem Buch beschreibt, ist 8 August 2008 – an diesem Tag hat der fünftägige Krieg zwischen Russland und Georgien begonnen. Aber dieser Krieg findet eben nur in den Medien statt – er ist für den Romanhelden nicht real, er berührt ihn nicht so richtig.

"Adibas" ist eine Kritik an der Konsumgesellschaft, die vor der Realität die Augen verschließt.
Allein die Szene im Schwimmbad, wenn plötzlich ein Kampfflieger drüber fliegt und die Sonnenschirme flackern, aber die Menschen sich weiter in der Sonne räkeln – das ist eine sehr stark. Zaza Burchuladze hat eine sehr genaue, 
bildhafte Sprache und einen abwechslungsreichen Stil. Mal schreibt er ein Kapitel wie ein Gedicht, mal ist es eine Chat-Unterhaltung, mal ein Horoskop. Die sehr detailreichen Sexszenen könnte man vielleicht etwas befremdlich finden, 
zumal sie aus einer Macho-Perspektive geschrieben sind. Aber ansonsten ist dieses Buch sehr schonungslos indem wie es die moderne georgische Gesellschaft beschreibt. Zumindest die Oberschicht – selbstgefällig und nur auf Äußerlichkeiten bedacht.

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Der Name Zaza Burchuladze ist in Deutschland noch nicht bekannt. Dabei schreibt Zaza Burchuladze seit rund 20 Jahre.
Er hat in Georgien mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht. Aber er kritisiert stark die georgische Gesellschaft und  die wachsende Macht der orthodoxen Kirche, die aus Georgien ein prüdes und intolerantes Land machen soll. 
Wegen seiner Aussagen wurde Zaza Burchuladze mehrmals attackiert und beschimpft und einmal auch zusammengeschlagen, sodass er eine Gehirnerschütterung hatte. Darauf hat er das Land verlassen 
und lebt nun sein 2,5 Jahren in Deutschland. Momentan in Berlin. 

Das Buch Adibas ist Zaza Burchuladzes erste deutsche Übersetzung.
Und es scheint ein gelungener Einstand zu sein. Denn obwohl der Krieg in Georgien nun acht Jahre zurück liegt, ist das Phänomen, das er beschreibt sehr aktuell – wir alle sehen schlimme Nachrichten im TV über Kriege und menschliches Leid, während wir shoppen oder zu Abend essen oder putzen.

M. Zaza Burchuladze „Adibas“, erschienen bei Blumenbar, 192 Seiten, 18, 00 € 

Rezension im Funkhaus Europa www.funkhauseuropa.de