„Alles, was ich mache, hat mit Musik zu tun.“ Der Heldentenor René Kollo wird 80.
20.11.2017 by

Er war Siegfried im Jahrhundertring von Patrice Chéreau und er war ein Teenie-Start. Ein weltweit umjubelter Heldentenor und ein versierter Entertainer. Ein Besuch bei René Kollo.

 

rene-kollo-foto-01-credit-hgm-press© HGM Press

Im Wohnzimmer von René Kollo hängt ein Gemälde. Das Porträt eines Clowns, der sitzend an einem Tisch lehnt. Herunterhängende Schultern, bunte Ballonhose, eine rote Kugelnase. Und kein Gesicht.

Das habe ich mal in Paris gekauft. So sehe ich aus nach dem Tristan – gesichtslos, völlig zusammengesunken, der Clown, der seine Schuldigkeit getan hat.“

Um den Tristan durchzustehen, ließ sich Kollo in den Bühnenboden kleine Wasserquellen einbauen. Ähnlich aufgebaut wie die Trinkflaschen der Rennfahrer, steckten sie im Bühnengras. So konnte der Sänger schnell daran nuckeln, bevor es weiterging. Ein Heldentenor, erklärt Kollo, ist wie ein Langstreckenläufer:

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„Türkei Vegetarisch“ Das neue Kochbuch bietet fleischlose Alternativen für Döner und Köfte.
16.12.2015 by

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Ein üppig belegter Döner, eine deftige Kuttelsuppe, eine saftige Gözleme. Oder schlicht ein Kebab-Teller mit scharfer Soße… Mmmhhh!… Die türkische Küche weiß hungrige Menschen zu erfreuen. Was aber auffällt – es ist eine fleischlastige Küche. Dabei hat die türkische Esskultur so viele vegetarische Alternativen zu bieten! Behauptet zumindest das neulich erschienene Buch „Türkei Vegetarisch“. Ob Brennnessel-Börek oder Auberginen-Linsen-Eintopf – die Gerichte sind vielleicht unspektakulär, aber herzhaft und meist schnell zubereitet. (mehr …)


Dolby surround. Die rumänisch-schweizerische Autorin Dana Grigorcea lebt zwischen Bühne und Schreibtisch.
27.08.2015 by

Porträt von Dana Grigorcea, einer rumänisch-schweizerischen Autorin, die 2015 für ihren Roman "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" mit dem 3sat-Preis während des Klagenfurther Lesewettbewerbs ausgezeichnet wurde.

dana grigorcea 1
In diesem Juli hatte Dana Grigorcea einen richtigen Lauf. Am Fünften – Freudentränen, überschwängliche Kritiker und Selfies im Kreis der Gewinner des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Und eine Woche später – Züricher Operntheater, Premiere. Capuleti i Monthecchi.

Da spiele ich die Mutter von Giulietta und am Anfang trete ich auf sehr prominent als Giuliettas Mutter und danach sterbe ich und es gibt so eine Drehbühne und ich komme immer wieder als Tote mit weit aufgerissenen Augen… Sehr dramatisch geschminkt…

Dana Grigorcea hat schwarze, wirklich sehr schwarze Augen. Sie hätte auch schon ein paar graue Strähnen im langen Haar – aber sie tönt es: So sei es besser für die Bühne. Dana Grigorcea ist sehr gerne Statistin am Theater. Früher hat sie Regie studiert, aber die Bühnenauftritte genießt sie vor allem wegen der Musik.

 Es ist ein ganz fantastisches Ergebnis, weil ich mit Weltstars auf einer Bühne stehe und die singen um einen herum – ich habe Dolby Surround..

Dieses Mittendrin scheint ein wesentlicher Aspekt  im Leben von Dana Grigorcea zu sein. Sie hat zwei Pässe, den Schweizerischen und den Rumänischen. Sie schreibt auf Deutsch über Rumänien. In ihrem zweiten Roman „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ steckt die Protagonistin erst mitten in einem Banküberfall und dann mitten im Trubel der Erinnerungen und Geschichten aus einem vergangenem Leben. Einem Leben in Bukarest, Dana Grigorceas Heimatstadt. Und auch dort steckte sie selbst übrigens mittendrin – zwischen zwei Lebensentwürfen.

Ich bin auf einer Straße aufgewachsen, die übrigens auch in meinem Roman vorkommt und am einen Ende der Straße ist die Bukarester Oper, ich habe Ballett gemacht und war dreimal die Woche in den Vorstellungen und am anderen Ende der Straße sind noch die Tennisarenen und da habe ich Tennis gespielt… ich habe Profitennis gespielt..

Ja, ja, bis sie 16 wurde, hat Dana Grigorcea ernsthaft an Turnieren teilgenommen. Heute, mit 35, spielt sie Tennis nur noch zum Spaß. Sie ist immer noch athletisch – schlank, graziös, mit gerader Haltung.  Irgendwie kaum zu glauben, dass sie zwei Kinder hat – drei und fünf.

 Ich schreibe, wenn sie nicht da sind… aber ich kann weiter spinnen in Gedanken an meinen Texten, wenn ich bei ihnen bin… Sie schlafen sehr schwer ein,  ich liege da in ihrem Zimmer manchmal eine Stunde lang oder zwei Stunden, bis sie eingeschlafen sind. Und dann überlege ich mir, dann denke ich an Literatur, an die Bücher, die ich gelesen habe, dann drängen sich mir Personen über die ich schreibe auf und ich formuliere weiter und dann, wenn ich Zeit habe zum Schreiben dann geht es ganz einfach. 

Dana Grigorcea hat merklich Spaß daran, schöne, durchdachte Sätze zu komponieren. Auch in ihren Romanen gestaltet sie plastische Bilder und vermittelt subtile Empfindungen, wie etwa vom süßen Duft der blühenden Linden in der klebrigen Sommerhitze Bukarests. Ihren ersten literarischen Erfolg hatte Dana Grigorcea ganz unverhofft.

 Ich habe in der Schulzeit habe ich eine große Reise nach Jerusalem gemacht, dann habe ich Tagebuch geführt für meine Eltern. Und wie so Eltern sind, haben sie immer allen Gästen bei uns im Hause aus diesen Tagebüchern vorgelesen… und die Freunde haben es anscheinend genossen und die Tagebücher ausgeliehen.. und irgendwann rief mich eine Dame an, von der „Romania literara“, der damals größten rumänischen Literaturzeitschrift an, ich solle doch bitte mein Honorar abholen… und so habe ich erfahren, dass sie Ausschnitte aus meinen Tagebüchern publiziert haben.

Der Erfolg als Autorin kam in Zürich. Nachdem sie in Brüssel und Gent,  in Wien und Bonn gelebt und gearbeitet hat. Doch in ihren Büchern schreibt Dana Grigorcea über Rumänien und Bukarest.

Man schreibt über das was man kennt. Aber es geht mir auch darum, wie man eine Stadt wahrnimmt, nachdem man in vielen anderen Städten gelebt hat…

 

für Kulturradio, rbb

 

 


„Fragen Sie mich bloss nicht, wie ich das mache!“ Primaballerina Assoluta Maya Plisetskaya. Ein Porträt.
02.05.2015 by

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Zum Anhören hier klicken:

plisetskaya

Eine Sendung von Vera Block.

Erstausstrahlung: Kulturradiodio vom RBB, 2010.

Alle Rechte vorbehalten.


Майя Плисецская. Неопубликованные фрагменты интервью.
02.05.2015 by

P1000515

Отрывки из интервью: plisetskaya-rus

 

 

 

  

 

 


Der Neujahrstag. Über die Rückeroberung des Buches.
01.01.2015 by

Wann darf ich endlich anfangen, ohne es mir gleich
am ersten Tag im Jahr mit der Hälfte meiner Bekannten zu verderben?
Wann erwische ich sie – schon wach, aber noch nicht auf dem Sprung?
Es ist ein Morgen der Fragen und des strategischen Überlegens.
Denn es soll der Tag werden, an dem ich zurückhole, was mir gehört.
Und zurückgebe, was nicht meines ist.

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Statt auf dem Sofa eine Decke um die Beine zu wickeln und Reste aufzuessen,
die erwiesenermaßen das Beste am Neujahrsmorgen sind,
breite ich auf dem Küchentisch einen Stadtplan aus, stelle eine Route zusammen,
überlege, wie viel Zeit ich für die eine oder andere Entfernung brauchen
werde. Wenn das alles fertig ist, drehe ich Kreise um das Telefon und
werfe ungeduldige Blicke auf die Uhr. Darf ich schon, oder immer noch
nicht? Jetzt aber!

Die Frau am anderem Ende der Leitung klingt verschlafen – ich lasse mich nicht abwimmeln und kündige meinen Besuch an.

Zum Schluss frage ich nach, ob sie denn noch mein Buch hat.
„Welches Buch?!“


Na dieses, das du so unbedingt lesen wolltest. Du hast mich doch im Juni regelrecht dazu gezwungen, es dir zu leihen. Ich habe mich gewehrt, habe mehrmals versucht so zu tun, als ob ich deine Bitte vergessen hätte und gab dann schließlich nach, um dir das Buch in einem Café in der Oranienburger Str. feierlich zu übergeben. Du hast mir den Kaffee bezahlt und gabst das Versprechen, das Buch übernächste Woche zurück zu bringen.

Das war im Sommer.

Und jetzt hole ich es mir zurück. Das Buch, das in mein Regal gehört und nicht in fremde Schränke!

Der erste Januar ist der perfekte Tag, um Geliehenes zurückzufordern.
Und einer der wenigen im Jahr, wo die Zeit dafür da ist. An jedem anderen
Tag wird garantiert etwas dazwischen kommen – Überstunden, Krankheit der
Kinder, ausgefallene Busse, Vergesslichkeit. Am Neujahrstag habe ich meine
Schuldner im Schwitzkasten. Verschlafen, leicht verkatert, antriebslos!
Leichte Beute für den Gläubiger, der bereit ist, jede Entfernung
zurückzulegen, um endlich die Schulden einzutreiben.

Der Plan ist einfach, erfordert aber soziales Fingerspitzengefühl.
Während manche Bekannte über meinen Besuch vorgewarnt wurden, müssen andere überfallen werden.

Sturm und Drang ist die Devise, wenn man schnell und
unbeschadet die Buch-Befreiungs-Aktion durchführen will:

Klingeln, hereinstürzen, Küsschen-Küsschen, Käffchen, na-wie-gehts-denn-so-mann-haben-wir-uns-ewig-nicht-gesehen-oh-ich-muss-ja-wieder-los….
Und dann schlage ich zu.

Betroffene Gesichter: „Ja-a, wart´ mal kurz. Irgendwo hab´ ich es doch neulich gesehen. Danke, schönes Buch! ( manchmal guckt man mir dabei nicht in die Augen. Dann weiß ich, dass es bestenfalls zur Hälfte durchgeblättert wurde). Aber was soll´s! Hauptsache, ich halte es wieder in der Hand. Das Buch, das mir gehört.

Manchmal muss ich auf meinen Neujahrstouren durch die Stadt auch Abstecher zu den Menschen machen, denen
ich was schulde. Dieses ist aber ein leichtes Spiel – um mir unangenehme
Entschuldigungsarien zu ersparen, verpacke ich das Objekt in buntes Papier,
schreib ein Grußkärtchen und schiebe den Umschlag auf die feine englische
Art in den Briefkasten. Und weiter geht’s  zur Befreiung vermisster Bücher aus der freundschaftlichen Geiselhaft.

Das Wiedersehen mit verliehenen Büchern löst bei mir oft Beklemmung aus.
Das Buch riecht anderes. So riechen manchmal Menschen, die man nach langer
Zeit wieder sieht, umarmt und merkt, dass man sich wieder aneinander
gewöhnen muss. Nie wieder, schwöre ich mir dann jedes mal. Nie wieder leihe ich ein Buch aus! An niemanden. Nie!

Nun ja. Jedes Jahr, am ersten Januar, stehe ich gegen 10 Uhr auf. Trinke
meinen Kaffee und greife zum Telefon. Ich muss wieder mal zurückerobern,
was in mein Buchregal gehört. Wieder die Stellen im Schrank suchen, wo die
Bücher mal standen. Sie hineinschieben, die Reihe angleichen.

Erleichtert ausatmen und mich dann auf das Sofa schmeißen, Beine ausstrecken, in eine warme Decke einwickeln und endlich! endlich! … die Reste vom Silvestertisch aufessen, die bekanntermaßen das Beste am Neujahrstag sind.

 

 


Swetlana Zacharova: Sternentanz
20.02.2014 by

An ihr scheiden sich die Geister. Die Kritiker sagen, ihr Tanz sei seelenlos. Die Bewunderer umjubeln ihre Grazie und technische Perfektion. Die russische Ballerina Swetlana Zacharova gehört zu den herausragendsten – und höchstbezahlen – Tänzerinnen der Gegenwart. Als einzige russische Tänzerin trägt sie den Titel Etoile de la Scala – der Star des Mailänder Balletts.

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Hier zum Nachlesen – ein Beitrag für das Deutschlandradio Kultur:

http://www.deutschlandradiokultur.de/die-primadonna-im-kulturausschuss.1153.de.html?dram:article_id=238103

 

 


Laura Heinecke: Im Kontakt tanzen
30.01.2014 by

Beim Festival Made in Potsdam zeigt die junge Tänzerin und gebürtige Potsdamerin Laura Heinecke ihre Choreografie „Invisible Roads“. Es geht um Sich-begegnen und Sich-verpassen. Zwei Menschen – Frau und Mann, laufen aneinander vorbei, heben die Arme, fallen auf den Boden, strecken Köpfe und Füße, richten sich auf, um im nächsten gemeinsamen Atemzug wieder niederzusinken. Schnell, schwungvoll, still. Die Themen von Laura Heinecke sind Vernetzung und Befremdung, nachhaltiges Handeln und bewusstes Loslassen. Das Hier und Jetzt.

 laura heinecke © Bernd Gurlt

 

 

 


Vladimir Malakhov: Der scheidende Schwan
28.01.2014 by

Der scheidende Intendant des Berliner Staatsballetts wurde nach der Premiere der letzten Ausgabe von "Malakhov&Friends" mit dem Titel des "Berliner Kammerzänzer" ausgezeichnet.

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Begegnungen: Römer&Römer. Nina und Torsten, wie sie zusammen die Welt sehen und malen
25.12.2013 by


Begegnungen: Barbara Caveng, Schweizerin, Neuköllnerin, Aktionskünstlerin, Weltbeobachterin
19.12.2013 by

P1060708http://www.funkhauseuropa.de/themen/studiogaeste/zumfruehstueckbei/fruehstueck178.html


Begegnungen: Enrico Nawrath, Bühnenfotograf
14.08.2013 by

P1040211

 

http://www.deutschlandradiokultur.de/kein-schnappschussjaeger.1153.de.html?dram:article_id=255366


Begegnungen: Marianna Salzmann, Dramatikerin
14.04.2013 by

P1030411

Moskauerin, Jüdin, Russin, Deutsche, Wahlberlinerin

http://www.deutschlandradiokultur.de/moskauerin-juedin-russin-deutsche-wahlberlinerin.1153.de.html?dram:article_id=219819


Begegnungen: Levon Aronian, armenischer Schachgroßmeister
14.02.2013 by

P1030405

http://www.deutschlandradiokultur.de/verschmelzung-von-talent-und-faulheit.1153.de.html?dram:article_id=208076